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Bundestagswahl 2013: Angela Merkel … gross, grösser, am grössten

Es war vorauszusehen. Und es wahr der Wunsch vieler deutscher Wähler, aber auch der Wunsch von – nichtwahlberechtigten – Stimmen aus dem Ausland, wie etwa Frankreich in seinen Printmedien Le Figaro und Libération vom Freitag vor der Wahl: Angela Merkel sollte gewinnen und damit die CDU. Man wollte “Angie” und bekam sie. Es wurde am Sonntag eine eindeutige Wahl für die starke Politikerin: nach letzten, vorläufigen Stimmenauszählungen gegen 11.30 Uhr am Montag, 23. September 2013  verfehlte die CDU/CSU zwar mit 41,5%  die absolute Mehrheit, lag aber mit riesigem Abstand vor der SPD 25,7%  und der Linken 8,6% und den Grünen 8,4%. Es war der Triumph einer standfesten Frau, die ein turbulentes Wahljahr hinter sich hatte, deren Partei Niederlage über Niederlage in verschiedenen Landtagen der Bundesländer hinnehmen musste und die, aussenpolitisch gesehen, auf dem internationalen Politikkarussell umstritten, teils heftig angegriffen wurde für ihre Euro-Position, “zögerliche” Europapolitik und fehlendem Enthusiasmus für Militärinterventionen, den sich mancher Partner erhoffte. Jeder Fehltritt ihres politischen Gegners, SPD-Politiker Peter Steinbrück, stärkte sie jedoch im Inland und ein leicht angepasstes Wahlprogramm  liessen sie gross, grösser, und schliesslich am grössten werden.

“So viel Merkel war noch nie” titelte die für griffige, stimmungsvolle Schlagzeilen bekannte populäre Berliner Zeitung in ihrer Printausgabe von Montag. Und präsentiert ganzseitig die Siegerin in blau, von der Halskette über den Blazer bis hin zu intensiv strahlenden – retuschierten? – hellblauen Augen vor dunkelblauem Hintergrund in Siegerpose. Online textet sie am Montag: “Angela die Große”.  Auch der Tagesspiegel spricht noch am Wahlabend von “Angie” – “Dem Himmel so nah” und freut sich, dass stille, stets im Hintergrund schwebende Kanzlergatte Professor Joachim Sauer am Wahlsiegabend von ihr mit Dankesworten bedacht und damit gewürdigt wurde. Doch: Grosse Merkel, was nun? Es gibt wohl immer ein Haar in der Suppe, und so wurde der Triumph, schnell von den Medien als potentiell ernsthaftes Problem umgedeutet: in der Tat hatte es die FDP, der bisherige Koalitionspartner, mit unter 5% der Stimmen nicht in den Bundestag geschafft. So muss “Gulliva” (FAZ, feminine Bezeichnung für Gulliver) unter den “Lilliputanern” – sprich den politischen Zwergen – sich nach neuen Koalitionspartnern umsehen, analysiert am Montag die FAZ. SPD oder Grüne? Angeblich stehen diese schon bereit. Doch Angela Merkel liess und lässt sich nicht drängeln. Wie sie am Sonntagabend verkündete: ” Erst dürfen wir feiern, morgen wird wieder gearbeitet.” Das politische Karussell dreht sich weiter, doch das Tempo bestimmt die Kanzlerin, die zum dritten Male Kanzlerin wurde!

Wie gut, dass sie doch nicht Eiskunstläuferin wurde, nicht mehr wie als Kind so rebellisch ist und toll, dass sie nicht mehr mit Blaubeerenverkauf ihr Taschengeld verdienen muss. Diese Dinge fand die Süddeutsche Zeitung heraus und wollte damit das Bild der Kanzlerin vor der Wahl noch abrunden. Wir geben diese kleinen, privaten Aspekte des Profils der Siegerin gerne weiter… (B. de Cosnac)

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